Fast 9 von 10 Deutschen wollen, dass die Bundesregierung bei globalen Regeln für KI-Waffen eine führende Rolle übernimmt – Wadephul wird zum Handeln aufgefordert
Schon im November könnten die Verhandlungen für ein internationales Abkommen zur Kontrolle von Autonomen Waffensystemen beginnen. Im Vorfeld dieser entscheidenden Sitzung, zeigen Umfragen, dass 86 % der Deutschen finden, Deutschland solle bei Forderungen nach einem internationalen Vertrag zur Einschränkung des militärischen Einsatzes von KI eine führende Rolle einnehmen.
Die vom Future of Life Institute in Auftrag gegebene Umfrage unter 2.000 Befragten in Deutschland ergab:
- 86 % der Deutschen halten es für zumindest “einigermaßen wichtig”, dass ihre Regierung bei den Bemühungen zur Regulierung von KI-Waffen eine führende Rolle einnimmt. Ein Viertel (25,6 %) halten dies sogar für „sehr wichtig“.
- 87 % der Deutschen befürworten einen internationalen Vertrag zur Kontrolle des Einsatzes von KI-Waffen.
- 89 % sind besorgt über den zunehmenden Einsatz von KI-Waffen in bewaffneten Konflikten.
Im vergangenen Jahr hat der Einsatz von KI in Konflikten erheblich zugenommen, unter anderem in der Ukraine, im Gazastreifen und im Iran. Dazu gehören auch Hinweise auf den Einsatz von KI bei dem Angriff auf eine Schule in Minab im Iran im Februar, bei dem 123 Schülerinnen ums Leben kamen. Einem UN-Bericht zufolge steht der Einsatz von KI im militärischen Kontext mit dem Anstieg der Todesfälle bei Kindern in Konflikten im vergangenen Jahr in Verbindung.
Die Umfrage zeigte zudem weit verbreitete Bedenken hinsichtlich der Macht der „Big Tech“- Unternehmen. Außerdem wünschten sich die Befragten, dass die Bundesregierung klar Verantwortung übernimmt und mehr dafür tut, um die Risiken neuer Technologien zu begrenzen. Die Ergebnisse spiegeln die zunehmende Sorge über den Einfluss von KI-Unternehmen wie Palantir und Anduril und deren Beteiligung an kritischer Infrastruktur in Deutschland wider.
Im September einigten sich 128 Staaten im Rahmen der UN-Konvention über bestimmte konventionelle Waffen (CCW) auf einen Text, der als Grundlage für Verhandlungen dienen könnte. Der Text sieht wirksame menschliche Kontrolle über autonome Waffensysteme sowie Beschränkungen hinsichtlich der Reichweite und der Dauer ihres Einsatzes vor.
Zivilgesellschaftliche Organisationen fordern Außenminister Johann Wadephul auf, „alles Notwendige zu tun“, um die Aufnahme von Vertragsverhandlungen sicherzustellen, die Deutschland nach eigenen Angaben bereits unterstützt. Umfragen im Vereinigten Königreich und Frankreich, deren Regierungen einen internationalen Vertrag grundsätzlich befürworten, ergaben ähnliche Zustimmungswerte.
„Maschinen sollten niemals die Entscheidung treffen dürfen, ein menschliches Leben zu beenden. Regierungen müssen jetzt vorangehen, bevor die Menschen die Kontrolle verlieren und niemand mehr zur Rechenschaft gezogen werden kann.
„Die Fakten sprechen für sich. Weltweit lehnt eine überwältigende Mehrheit den Einsatz von KI-Waffen ab. In Großbritannien, Frankreich und Deutschland fordert eine überwältigende Mehrheit, dass ihre Regierungen eine führende Rolle dabei spielen, dass ein international rechtsverbindliches Instrument geschaffen wird.”
– Anna Hehir, Leiterin des Bereichs „Military AI Governance“ am Future of Life Institute:
Hinweise für die Redaktion
- Die Umfrage wurde vom Umfrageinstitut Dynata zwischen dem 9. und dem 17. September 2026 durchgeführt. Befragt wurden 2.021 Erwachsene im Vereinigten Königreich, 2.002 Erwachsene in Deutschland und 2.014 Erwachsene in Frankreich. Stichproben wurden anhand von Quoten nach Alter, Geschlecht und Bildungsniveau so zusammengestellt, um die jeweilige Bevölkerung zu repräsentieren.
- Es wurde eine öffentliche Petition zur Kontrolle von KI Waffen gestartet.